„Hanf ist eigen.“

Das Ehepaar Franz und Elisabeth Rottenkolber aus Purk bei Moorenweis treibt der Wunsch an, Landwirtschaft nachhaltig zu betreiben. Und sie sind experimentierfreudig. Deshalb wagten sie sich 2016 daran, wie früher Hanf anzubauen. Mittlerweile verkaufen die Rottenkolbers Leckeres aus Hanf in der Region. Elisabeth Rottenkolber erzählt im Gespräch vom Leben mit dem Hanf.

Liebe Frau Rottenkolber, erzählen Sie doch mal, wie Sie auf den Hanf gekommen sind: Das ist ja nicht so üblich hier …

Nein, das ist gar nicht üblich. Mein Mann ist ein Mensch, der gern was ausprobiert. Mit den derzeit gängigen Landwirtschaftlichen Standardkulturen wie zum Beispiel Weizen oder Gerste können wir unseren kleinen landwirtschaftlichen Betrieb nicht erhalten. Als ein Berufskollegen meinte: „Bau doch Speisehanf an“, sind wir neugierig geworden und mittlerweile in die in die Direktvermarktung eingestiegen. Wenn mir das vor fünf Jahren jemand erzählt hätte, hätte ich das nie geglaubt.

Wächst der Hanf denn ganz unkompliziert?

Anfangs passierte erst mal gar nichts auf unserem Hanffeld: Die Pflanzen wuchsen nicht, nur Krähen waren da. Als ein Kollege uns riet, das Feld mit Kristallen zu reinigen, hab ich seinen Rat sofort befolgt. Wir fühlen uns auf der energetischen Ebene zu Hause. Als mein Mann den Hanf danach zum zweiten Mal anbaute, wuchs er – die Krähen halten sich bis heute fern.

Ist ja Wahnsinn! Wie viele Hanffelder bearbeiten Sie?

Nur ein Feld. Wir machen das im kleinen Stil. Wir wollen nicht in den Hype um den Hanf einsteigen, sondern bleiben unserer nachhaltigen Linie treu. Wir bauen weiterhin in einer Fruchtfolge an, das heißt, jedes Jahr rotieren wir die Feldfrüchte. Frühestens alle vier Jahre wächst auf einem Feld die gleiche Pflanze. Weil sich jede Pflanzenart anders verhält, schont das den Boden.

In welcher Form kommt die Rose in Deiner Praxis zum Einsatz?

In der äußeren Anwendung als Hydrolat oder Körperöl. Pures Rosenöl nutze ich gerne in der Aromatherapie.

Welche Hanfsorte bauen Sie an? Wegen seiner mitunter berauschenden Wirkung ist Hanf ja mancherorts in Ungnade gefallen…

Das ist unerklärlich. Erst neulich war wieder eine Kundin bei uns am Marktstand, die den Rauschhanf mit unserem verwechselt hat. Dabei dürfen wir sowieso nur Sorten anbauen, die unter 0,2% THC enthalten. Berauschend wird es erst bei hochdosiertem THC-Hanf (über 10% THC). Die Kundin wollte ihre Tochter nicht mal unseren Hanf probieren lassen, dabei ist der Genuß absolut ungefährlich.

Als Hanfbauer unterliegen Sie strengen Kontrollen von staatlicher Seite, oder?

Wir müssen das Feldstück, die Sorte, die Aussaatmenge und den Aussaatzeitpunkt des Hanfs angeben. Außerdem müssen wir den Blühbeginn melden und brauchen eine Erntefreigabe vom BLE (Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung). Kontrollen können jederzeit und unangemeldet vorkommen. Seit Juli ist unser Hof übrigens biozertifiziert. Dafür bilden sich sowohl mein Mann als auch meine Söhne in regenerativer Landwirtschaft fort.

Klingt nach einem echten Familienbetrieb, bei dem alle mithelfen…

Ja, nur ist unser Betrieb so klein, dass wir unsere Söhne nicht voll anstellen können. Aber meine Kinder unterstützen uns, wo sie können. Auch meine Tochter hilft überall mit, zum Beispiel am Stand bei Märkten. Sie sind alle mit Begeisterung dabei.

Verarbeiten Sie Ihren Hanf selbst?

Ja, wir entschälen und mahlen den Hanf bei uns auf dem Hof. Dabei unterscheiden wir zwischen geschältem und ungeschältem Hanf: Die geschälte Variante ist weicher und hat ein nussigeres Aroma. Mit Schale enthält der Hanf dafür mehr Ballaststoffe. Nur das Öl pressen wir noch nicht selbst. Hanföl findet seine Verwendung in der kalten Küche. Wir haben in eigene Maschinen investiert, weil wir bei der Verarbeitung gern flexibel sein wollten. Hanf reagiert zum Beispiel ganz empfindlich auf Luftfeuchtigkeit: Ist es zu feucht, lässt er sich nur schwer schälen. Weil Hanf zu den Ölfrüchten gehört, verklebt vieles. Da ist der Hanf eigen – er wünscht sich eine sensible Behandlung.

Offensichtlich verstehen Sie ihn mittlerweile ganz gut!

Ja, man wächst ja mit seinen Aufgaben.

Wo vermarkten Sie Ihre Produkte?

Hauptsächlich direkt, am häufigsten über Hofläden und private Supermärkte in der Region. Hanf ist im Moment angesagt. Weil Hanfmehl viel Eiweiß enthält, ist es zum Beispiel beliebt bei Menschen, die tierisches Eiweiß reduzieren wollen. Allerdings lässt sich herkömmliches Getreidemehl nicht einfach eins zu eins mit Hanfmehl ersetzen: Als sogenanntes Pseudogetreide enthält es kein Gluten, also keinen „Kleber“. Gebäck wie Kuchen gelingt deshalb auch nicht, wenn man nur Hanfmehl verwendet. Wir empfehlen, maximal 10% der angegebenen Mehlmenge gegen Hanfmehl auszutauschen.

Wie essen Sie ihn am liebten?

Ich streu ihn mir gern aufs Frühstücksbrot, zum Beispiel mit Quark. Ich backe auch gern mit Hanf, auf Märkte bringe ich Hanfecken mit, ein Gebäck so ähnlich wie Nussecken.
Wir sind da sehr experimentierfreudig: Jetzt haben wir jemanden gefunden, der aus einer Mischung von unserem Emmer- und Hanfmehl Nudeln herstellt. Die Nudeln gibt es mit Ei und in einer veganen Variante. Und seit neuestem verarbeitet eine mobile Käserei bei einem Kollegen die Hanfkräuter und -nüsse mit Kuhmilch zu Hanfkäse. Man kann einfach tolle Dinge machen, wenn man sich untereinander vernetzt.    

Verwenden Sie Hanföl auch auf der Haut?

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Hanföl bei Sonnenbrand, Hautverletzung, Schürfwunden etc. sehr gute Heilungserfolge erzielen kann.